Neurons that fire together wire together.
– Donald Hepp –

EMDR als Durchbruch in der Traumatherapie

EMDR („Eye Movement Desensitization and Reprocessing“ – auf Deutsch etwa „Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegungen“) wurde in den 1990er-Jahren von der amerikanischen Psychologin Dr. Francine Shapiro entwickelt. Nachdem bei ihr eine Krebserkrankung diagnostiziert worden war, stellte sie bei einem Parkspaziergang fest, dass ihre schnellen Augenbewegungen wegen des grellen Sonnenlichts in einer Allee dazu führten, dass ihre Sorgen plötzlich auf ein erträgliches Maß schrumpften. Sie verfolgte diesen erstaunlichen Ansatz weiter und erarbeitete daraus ein Konzept zur Behandlung von Traumapatienten, das sich mittlerweile als äußerst effektiv und wirksam erwiesen hat.

Bilaterale Stimulation zur neuronalen Umstrukturierung

Bei der EMDR-Behandlung folgt der Klient mit den Augen dem Finger des Therapeuten, den dieser vor dessen Augen schnell hin- und herbewegt. Sollte dies aus bestimmten Gründen (etwa bei Sehbehinderten oder hochsensiblen Migränikern) nicht möglich sein, kann auch mit taktiler (Berührungen) oder auditiver (Fingerschnipsen) Stimulation gearbeitet werden. Wie EMDR genau wirkt, ist noch nicht endgültig erforscht. Durch die bilaterale Stimulation kommt es offenbar zu einer Reorganisation der Erlebnisinhalte und deren Bewertung im Gehirn und einer Veränderung der neuronalen Strukturen. Ehemals negativ besetzte Inhalte werden von den damit verbundenen Gefühlen entkoppelt.

Stabilisierungsphase zum Vermeiden von Retraumatisierungen

Bevor es an die Bearbeitung traumatischer oder sonstiger schwieriger Inhalte geht, erfolgt zuerst eine Stabilisierungsphase, damit sichergestellt ist, dass der Klient von seinen Gefühlen und Erinnerungen nicht überflutet wird und es zu keiner Retraumatisierung kommt. Wie lange diese Stabilisierungsphase dauert, ist individuell unterschiedlich. Sie ist aber gerade bei Traumapatienten unbedingt notwendig, da EMDR einen sehr direkten Zugang zum Unterbewussten ermöglicht und so auch verschüttete Erinnerungen hochgeholt werden können. Bei leichteren Indikationen (siehe unten) kann die Stabilisierungsphase kürzer ausfallen.

Breites Einsatzspektrum, schnelle Wirkung

Heute wird EMDR nicht nur in der Traumatherapie, sondern auch bei Ängsten, Phobien, Süchten, psychosomatischen Störungen, Schmerzzuständen, Tinnitus, Allergien, Trauerarbeit, Burnout, Zwängen sowie beim Coaching und Mentaltraining eingesetzt. Vor allem bei Angststörungen wird mittels EMDR oft eine sehr schnelle Verbesserung erzielt, sodass nur zwei bis drei Sitzungen nötig sind.