In jedem Muskel ist ein Gefühl gespeichert. Berührt man den Körper, berührt man die Seele des Menschen.
– Wilhelm Reich –

Den Charakterpanzer schmelzen

Wilhelm Reich, der Begründer der Körperpsychotherapie, hat als Erster erkannt, dass sich bestimmte Gefühle und Erlebnisse im Körper niederschlagen. Das Ergebnis ist beispielsweise eine bestimmte Körperhaltung, derer wir uns selbst in der Regel gar nicht bewusst sind. Reich nannte diese Haltungen „Charakterpanzer“. In der Körperpsychotherapie versucht man, solche Blockaden zu schmelzen, damit der Körper wieder beweglicher wird und die Energie frei fließen kann.

Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche

Wenn sich die Körperhaltung ändert, ändert sich auch das damit verbundene Gefühl – das kann jeder ausprobieren, indem er versucht, mit hochgezogenen Mundwinkeln wütend zu sein. Umgekehrt nutzt eine rein rationale Aufarbeitung eines Problems nichts, wenn die Körperhaltung dem Gehirn weiter die Rückmeldung gibt, dass die alte Traurigkeit oder das alte Minderwertigkeitsgefühl immer noch in den Knochen steckt. Sehr kopflastigen Menschen hilft die Körpertherapie, sich wieder mehr mit ihrem Körper zu verbinden. Das kann eine Entlastung bei verschiedenen Beschwerden bewirken, beispielsweise bei Kopfschmerzen, Grübeln oder dem Gefühl innerer Leere.

Körperpsychotherapie durch Atmen, Bewegen, Berühren

In der Körpertherapie arbeitet man mit einfachen Körperübungen, Atemtechniken und unterstützenden Berührungen durch den Therapeuten (ähnlich Massagen). Sie werden meist als sehr lösend, liebevoll und wohltuend empfunden, setzen allerdings manchmal intensive Gefühle frei. Einige Übungen können in der Praxis erlernt und dann regelmäßig zu Hause durchgeführt werden, um eine nachhaltigere Wirkung zu erzielen.

Spannungslösende Übungen aus der Traumatherapie

Auch in der Traumatherapie hat man inzwischen entdeckt, dass Traumata häufig dadurch entstehen, dass die natürlichen körperlichen Abreaktionen (etwa Zittern) nicht zu Ende geführt werden konnten. Dadurch hat sich das traumatische Erleben als „gefrorener Schock“ im Körper festgesetzt. Traumatherapeuten wie Peter Levine und David Bercelli haben spezielle Übungen entwickelt, mit denen diese Abreaktionen nachgeholt werden können. Sie haben sich in der Behandlung von Traumata als sehr wirksam gezeigt, lindern aber auch effektiv Stress und körperliche wie psychische Anspannungen.